Honda Fireblade CBR 1000 RREs ist noch nicht lange her, da gab es noch eine Selbstbeschränkung der Motorradhersteller bei den Pferdestärken ihrer Erzeugnisse: 100 PS war die Grenze. Mittlerweile ist das Schnee von gestern, und das stärkste Serienmotorrad, die „Vmax“ von Yamaha, kommt glatt auf das Doppelte. Die Honda CBR 1000 RR bringt es auf 131 kW / 178 PS. Hierzulande wird das Modell unter dem Namen Fireblade – warum eigentlich nicht „Feuerklinge“? – verkauft.

Die Fireblade bietet bei 199 Kilogramm ein Leistungsgewicht, das sich einem PS pro Kilogramm nähert. In 8,2 Sekunden erreicht die Honda CBR 1000 RR aus dem Stand eine Geschwindigkeit von 200 km/h. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 292 km/h. Dabei sieht das Motorrad eher klein und zierlich aus und macht, auch was die Lackierung angeht, einen angenehm zurückhaltenden Eindruck. Alles Bizeps statt wilde Tätowierung.

Zugegeben, wir hatten schon eine gehörige Portion Respekt, als wir auf dem harten, dünnen Sitz, der wohl direkt aus der Honda-Rennabteilung stammt, Platz nahmen. Schließlich ist es auch noch nicht so lange her, dass Rennmaschinen dieser Leistungsklasse selbst für Profis wie Valentino Rossi als fast unfahrbar galten. Die Doppel-R, wie sie unter Kennern genannt wird, ist auch in nennenswerter Anzahl bei der Superbike-Weltmeisterschaft unterwegs.

Die Sitzposition ist entsprechend sportlich und eher für kleinere Piloten sagen wir mal bis 1,80 Meter bequem, für größere Menschen aber immer noch akzeptabel, schließlich haben wir es nicht mit einem Reisemotorrad zu tun. Den Soziusplatz können wir gleich vergessen, der taugt höchstens zur Fahrt mit der Liebsten in die nächste Eisdiele.

Mit sensibler Gashand lässt sich die Honda erstaunlich sanft anfahren und grummelt recht leise vor sich hin, doch der kleinste Dreh am Gasgriff führt zu sofortiger Reaktion. Die Kraft entfaltet sich allerdings nicht so explosionsartig, wie wir befürchtet hatten, die Fireblade lässt sich mit etwas Übung ziemlich leicht bändigen. Recht nervig ist der große Wendekreis, der das Motorrad in der Stadt recht unhandlich macht. Dafür ist es aber auch nicht gedacht.

Enormen Spaß hatten wir bei unserer Fahrt durch den Spessart. Wie auf Schienen zieht das Motorrad durch die Kurven, schon in den unteren Drehzahlbereichen spürt man die unbändige Kraft. Ab 4500 Umdrehungen in der Minute kommt kerniger Rennsound aus dem Auspuff. Vor engen Kurven haben wir oft geschaltet. Nicht weil wir schalten mussten, sondern weil es einfach Spaß macht mit der butterweichen Kupplung und der präzisen Schaltung mit kurzen Schaltwegen. Die Lastwechsel sind kaum zu merken. Erstaunlich ist auch, dass in keinem Bereich nennenswerte Vibrationen zu spüren sind.

Zu so einer überragenden Antriebseinheit gehört natürlich ein entsprechendes Fahrwerk. Es ist für jeden Bedarf einstellbar. Ist die Fireblade erstmal in Schwung, liegt sie in jeder Situation stabil auf der Straße. Die Federelemente sprechen höchst sensibel an, aber die Grundeinstellung ist, wie es sich für einen Sportler gehört, sehr straff. Die Abstimmung ist so perfekt, dass der Fahrer keine unliebsamen Überraschungen erleben wird. Dazu verhilft auch ein elektronischer Lenkungsdämpfer. Etwas Körpereinsatz sollte der Fahrer in schnellen Kurven und bei Schräglagen ab 45 Grad dennoch zeigen.

So viel Rasanz braucht natürlich eine adäquate Bremse. Der Hebel ist mit einem oder zwei Fingern leicht bedienbar, wenn man das nötige Fingerspitzengefühl für die enorme Bremskraft hat. Die Hinterradbremse zeigt dagegen kaum Wirkung, was bei diesen brachialen Leistungsdaten eher vorteilhaft ist. Elektronisch gesteuertes ABS kommt zum Modelljahr 2009. (ar/wh)

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